
© Serafina Marx
Neu ins Netzwerk gesprungen: Das Young Founders Network!
Mit dem Young Founders Network (YFN) gewinnt das Netzwerk für unternehmerische Bildung Thüringen ein engagiertes neues Mitglied, das perfekt zu unserer Mission passt: jungen Menschen Wege ins Unternehmertum zu öffnen und ihnen praxisnahe Lernräume zu bieten.
Das YFN vernetzt bundesweit Gründer:innen zwischen 15 und 25 Jahren, begleitet sie von der ersten Idee bis zur skalierenden Unternehmung und bietet eine große, ermutigende Community.
Wir freuen uns, diese Energie und Perspektive künftig auch in Thüringen zu verankern und gemeinsam daran zu arbeiten, Unternehmergeist auf Augenhöhe in die Schulen zu bringen.
Um das YFN besser kennenzulernen, haben wir ein Interview mit Sophia Sowa und Lucas Haas geführt. Beide sind Gründer:innen und fest im YFN verwurzelt. Entstanden ist ein Gespräch übers Scheitern, die Kraft von Gründungswettbewerben und darüber, weshalb unternehmerische Bildung in Schulen gehört. Lesen Sie außerdem, welche Angebote das YFN für Lehrkräfte bereithält!

© Young Founders Network e.V. – YFN 9.0 (08.11.2025)
Bitte stellt euch kurz vor. Was genau ist das Young Founders Network und welche Ziele verfolgt ihr?
Sophia: Das Young Founders Network e.V. ist die erste Anlaufstelle für junge Gründerinnen, Gründer und Gründungsinteressierte unter 25 Jahren. Unser Ziel ist es die Lücke zwischen 40% Gründungsinteresse unter der GenZ und den 0,5% tatsächlichen Gründungen zu schließen und den Weg in die Gründung für die jungen, schlauen Köpfe im gesamten DACH-Raum schließen.
Lucas: Wir sind ein gemeinnütziger Verein und die größte Community für junge Gründer:innen zwischen 15 und 25 im DACH‑Raum. Beim YFN vernetzen wir junge Menschen, die etwas Eigenes aufbauen wollen. Vom ersten Ideenfunken bis zur skalierenden Firma. Unsere Ziele sind ziemlich klar. Wir wollen Unternehmertum zugänglich machen, egal ob Stadt oder ländlicher Raum, egal ob Abi, Studium oder Ausbildung. Wir wollen junge Leute befähigen, Probleme in ihrem Umfeld zu lösen. Mit echten Projekten, nicht nur mit Pitch Slides. Und wir wollen dabei eine ehrliche und authentische Community bieten, in der man sich offen austauschen kann. Kein “Get-Rich-Quick”, sondern alles zwischen “Mittelstand von Morgen” & Einhorn-Ambitionen.
In einem Satz – warum sollte ein:e junge:r Gründer:in bei Euch mitmachen?
Sophia: Weil unsere Community davon lebt, uns gegenseitig zu unterstützen, zu helfen und zu pushen; und das Ganze ehrlich und mit jeder Menge Gründerspirit.
Lucas: Weil du das Ergebnis der fünf Menschen bist, mit denen du am meisten Zeit verbringst.
Was hat euch/dich persönlich dazu bewegt, euch für junge Gründerinnen stark zu machen?
Sophia: Mich hat vor allem mein erstes YFN Event, das YFN 7.0 vor genau einem Jahr, dazu bewegt, Teil dieser Community zu sein. Denn das Erste, was mich bei diesem Event begrüßt hat, ist ehrliche Unterstützung und das entspannte Miteinander, in dem sich jede neue Stimme nicht nur gehört, sondern auch gesehen fühlt. Diese Unterstützung hat mich selbst dazu bewegt, meinem Traum nachzugehen und die Welt mit meiner eigenen Gründungsidee ein kleines Stückchen besser zu machen. Und genau dieser Zusammenhalt, den möchte ich nun teilen und auch anderen den Weg ebnen, sich selbst in seinen Ideen, und Träumen so richtig auszuleben.
Lucas: Ich komme nicht aus einer Unternehmer:innen-Familie. Vieles, was ich über Steuern, Förderungen, Vertrieb, Pitches oder Behörden gelernt habe, kam über Try‑and‑Error, schmerzhafte Fehler und sehr zufällige Begegnungen. Nicht aus der Schule. Diese zufälligen Begegnungen sind meine Motivation. Ich möchte jungen Leuten die Hilfe und Möglichkeiten geben, die mir in der Vergangenheit zuteil geworden sind.
Welche Rolle spielen Fehler und Scheitern in euren eigenen Lernprozessen?
Sophia: Fehler und Scheitern sind ein alltäglicher Begleiter, und anders würde ich es auch überhaupt nicht haben wollen. Denn es gehört nicht nur zum Lernen dazu, es ist auch noch der Faktor, aus dem man am meisten mitnehmen kann. Was ich dabei – vor allem im Zusammenhang mit dem YFN – festgestellt habe, ist, dass das Umfeld entscheidend ist, wenn es um den Umgang mit diesen Fehlern geht. Und nun, selbst als Vorstand im YFN ehrlich sagen zu können, dass mir Fehler nicht übel genommen, sondern ganz im Gegenteil wirklich als Lernmöglichkeit gesehen werden, gibt mir die Freiheit, mehr ich selbst zu sein und Vertrauen in das zu haben, was ich mache.
Lucas: Ehrlicherweise: ohne Scheitern gäbe es weder mich in der Rolle noch das YFN in der Form. Viele von uns haben Projekte gegen die Wand gefahren, falsche Co‑Founder gewählt, Produkte gebaut, die niemand kaufen wollte. Finanziell, emotional, zeitlich – das tut weh. Aber genau da liegen die Geschichten, aus denen andere am meisten lernen. Wir versuchen, Fehler nicht zu romantisieren, aber auch nicht zu verstecken. Auf unseren Events und in der Community ist „Was hast du verkackt und was hast du gelernt?“ mindestens genauso wichtig wie „Wie hoch ist dein Umsatz?“.
Ein großer Teil eurer Community hat an verschiedenen Gründungswettbewerben teilgenommen – wie hat euch das geprägt?
Sophia: Ich selbst habe bei Jugend Gründet 2025 teilgenommen und dann im Landesfinale Sachsen den ersten Platz erreicht. Für mich war dieser Wettbewerb der Startschuss und die erste richtige Motivation, mich mit dem Thema Gründen selbst auseinanderzusetzen. Es hat mir Türen geöffnet und Möglichkeiten aufgezeigt, von denen ich vorher nicht einmal geahnt hatte, dass sie existieren.
Lucas: Ein großer Teil der Community kommt aus Wettbewerben wie STARTUP TEENS, JUGEND GRÜNDET oder Jugend forscht. Viele haben früh erlebt, wie powerful es ist, Feedback, Bühne und Sichtbarkeit zu bekommen. Man lernt, vor einer Jury zu pitchen, Deadlines zu halten, ein Team zu organisieren – das sind wertvolle Einstiegserfahrungen. Aber: Wettbewerbe sind oft auf „Pitch“ und „Preisgeld“ optimiert, nicht auf nachhaltige Unternehmensentwicklung. Manche sind nach dem Finale plötzlich „allein zu Hause“. Ohne Community, ohne Anschlussprogramm. Genau da setzen wir an: Für viele ist YFN die nächste Station nach dem Wettbewerb. Der Ort, an dem der Weg erst richtig losgeht. Dort geht es weniger um Trophäen und mehr um: Wie komme ich von der Bühne in den echten Markt? Wie halte ich durch, wenn der Hype vorbei ist?
Was würdet ihr einer Lehrkraft sagen, die glaubt, dass unternehmerisches Denken kein Thema für Schule ist?
Lucas: Ich würde sehr direkt sagen: Unternehmerisches Denken bedeutet nicht, dass jede Schülerin und jeder Schüler ein Start‑up gründen muss. Es bedeutet, Probleme erkennen, Verantwortung übernehmen und Lösungen organisieren zu können. Das ist eine Kernkompetenz für Demokratie, Arbeitswelt und Gesellschaft. Damit ist es sehr wohl ein Thema für Schule. Außerdem muss man auch der Realität ins Auge blicken: Schüler:innen sind längst unternehmerisch aktiv. Sie verkaufen Dinge online, machen Social Media, organisieren Projekte. Die Frage ist nicht ob das passiert, sondern ob Schule das begleitet oder ignoriert. Unternehmer:innentum heißt auch: resilient mit Unsicherheit umgehen, Feedback aushalten, kreativ werden, wenn Ressourcen fehlen. Genau das brauchen junge Menschen in einer Welt voller Krisen. Das gute ist, dass Schule ein sicherer Experimentierraum sein kann – bevor es „teuer“ oder existenziell wird.

© Wolfram Schubert, DKJS
Wie können Lehrkräfte mit euch zusammenarbeiten oder euch in den Unterricht einbinden?
Sophia: Wir vom YFN sind die ersten, die verstehen, dass es mitunter gar nicht so leicht ist, die unternehmerische Bildung in einen verstaubten Lehrplan mit zu integrieren. Und deshalb bieten wir den Lehrkräften offen an, sich jederzeit an uns zu wenden, unsere Schulworkshops anzunehmen und uns direkt mit in die Schulen zu holen. Von wenigen Stunden Profilunterricht, über Workshops, bis hin zu ganzen Projektwochen, sind wir auf jeden Fall immer mit dabei. Außerdem arbeiten wir in Kooperation mit futureSAX an einem interaktiven Lehrplan mit sofort anwendbaren Inhalten, den wir allen frei zur Verfügung stellen.
Lucas: Über Workshops und Projektwochen mit YFN‑Membern, die aus der Praxis erzählen und gemeinsam mit Schüler:innen Mini‑Projekte aufsetzen. Von kurzen Impulsen, Blockstunden, bis hin zu einem gesamten Lehrplan, der über 3 Jahre geht. Wir haben die Erfahrung aus über 100 Unterrichtsstunden an über 50 Schulen gebündelt und in praxisnahe, modulare Inputs übersetzt. Wichtig ist mir: Wir wollen nicht „von außen über die Schule drüberfahren“, sondern Partner sein. Niedrigschwellig, praxisnah, auf Augenhöhe.
Wenn ihr euch eine Sache wünschen dürftet, die jede Schule in Deutschland sofort umsetzt – was wäre das?
Sophia: Ihren Schülern die Freiheit geben, zu entscheiden, was sie lernen wollen und Raum für freie Entfaltung geben.
Lucas: Mehr Zeit und Raum für die persönliche Entwicklung. Anstatt immer nur auf Fehler zu schauen.
Das Interview haben wir im November 2025 per Mail durchgeführt.
Das Young Founders Network ist ein gemeinnütziger und unabhängiger Verein. Mitglied können Gründer:innen ebenso werden wie Personen, die noch am Anfang ihrer Idee stehen – solange sie unter 25 sind! Die Anmeldung erfolgt über die Website, woraufhin ein Kennenlerngespräch vereinbart wird.
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