
© Power.Nature.Gum
Kaugummi, Köpfchen, Wettbewerb: Wie aus einer Idee „Power. Nature. Gum“ wurde
Gute Ideen entstehen oft im Rahmen von Wettbewerben, das wissen wir durch unser Netzwerk aus erster Hand. Neugier, Kreativität und Unternehmergeist treffen aufeinander und entwickeln ein zielgerichtetes Potenzial. Ein besonders erfolgreiches Beispiel: Power.Nature.Gum – ein Projekt aus Jena!
2024 belegten die kreativen Köpfe Johanna Lillith Schultz und Julia Peiselt von der Lobdeburgschule Jena den ersten Platz beim Regionalwettbewerb von „Jugend forscht“ im Bereich „Bestes Interdisziplinäres Projekt“. Titelgebende Frage des Projekts: „Ist unser selbst gemachter Kaugummi auch biologisch abbaubar?“
Johanna und Julia haben in den letzten Jahren Erfahrung mit Gründung und Gründungswettbewerben, Pitches und Ideenfindung sammeln können. Ein kleiner Abriss ihrer Projektlaufbahn:
Los ging es mit dem 1. Preis & Sonderpreis „Jugend forscht junior“ im Jahr 2023. Nach dem Landeswettbewerb Thüringen folgte der 1. Platz beim Regionalwettbewerb „Jugend forscht“. Ein Sonderpreis des NABU schloss sich an. 2025 präsentierten sie sich bei unserem Netzwerkpartner „Jugend gründet“ – mit dem dort eingereichten Businessplan belegten sie Platz 12 von 1177. In Berlin durften sie daraufhin ihre Kaugummis in Form eines Pitches vor einer Jury vorstellen. Bei diesem Pitch Event belegten sie den 2. Platz. Im Oktober 2025 haben sie ihre Idee auf der deGUT gepitcht, der größten Gründungsmesse Deutschlands. Dort konnten sie sich ebenfalls den 2. Platz sichern und ein Mentorengespräch bei der Investitionsbank Berlin gewinnen.
Um das Projekt und die zwei Gründungsinteressierten besser kennenzulernen, haben wir ein Interview mit Julia und Johanna geführt. Sie berichten, wie ihre Idee für Power.Nature.Gum im Kontext von „Jugend forscht“ entstanden ist und sich Schritt für Schritt weiterentwickelt hat. Lesen Sie, wie Wettbewerbe Interessen fördern, unternehmerisches Denken anstoßen und junge Menschen ermutigen, eigene Wege zu gehen.

© Ljubisa Pavlovic
Wofür steht euer Kaugummi – in einem Satz?
Julia: Ein plastikfreier, biologisch abbaubarer und veganer Kaugummi ohne Zusatz-, Farb- und Süßstoffe, basierend auf einer natürlichen Kaumasse, dessen Geschmack ausschließlich von getrockneten Früchten kommt.
Wie seid ihr auf die Idee gekommen, einen plastik- und zusatzstofffreien Kaugummi zu entwickeln? Was bedeutet euch dieses Thema persönlich?
Johanna: Wir haben schon oft am Wettbewerb „Jugend forscht“ teilgenommen. Von Tinte aus Rotkohlsaft bis hin zu schwebenden Luftballons ohne Helium war alles dabei. 2023 haben wir nach einem neuen Projekt gesucht und sind eher zufällig auf die Inhaltsstoffe von Kaugummis gestoßen. Wir haben alle Stoffe, die wir nicht kannten, nachgeschlagen und waren schockiert über deren Wirkung. In vielen Kaugummis stecken Süßstoffe, die Blähungen, Kopfschmerzen oder Übelkeit verursachen können. Einige stehen sogar im Verdacht, krebserregend zu sein oder das Erbgut zu schädigen.
Wir waren überzeugt, dass es auch ohne diese Stoffe funktioniert, und haben nach und nach unseren eigenen Kaugummi entwickelt. Daraus ist ein plastikfreies, biologisch abbaubares Produkt ohne künstliche Süß-, Zusatz- oder Farbstoffe geworden. Unser Kaugummi basiert auf der natürlichen Kaubasis Chicle, enthält nur wenig Zucker und der Geschmack kommt ausschließlich von getrockneten Früchten. Über die Jahre ist uns dieses Projekt unglaublich ans Herz gewachsen. Nicht nur der Kaugummi, sondern auch wir haben uns persönlich weiterentwickelt und viele neue Dinge dazugelernt.
Ihr habt eure Idee beim bundesweiten Schüler-Gründungswettbewerb „Jugend gründet“ präsentiert und sogar Preise gewonnen. Wie habt ihr euch auf den Pitch vorbereitet und wie habt ihr den Wettbewerb erlebt?
Julia: In Vorbereitung auf den Wettbewerb haben wir intensiv an unserer Präsentationsweise gearbeitet. Während wir unseren Kaugummi und die dazugehörigen Ergebnisse im Rahmen von „Jugend forscht“ zuvor rein wissenschaftlich präsentiert hatten, war die Vorbereitung eines Pitches eine völlig neue Aufgabe für uns.
Wir haben uns daher stark darauf fokussiert, wie ein Pitch eigentlich aufgebaut ist und wie wir unser Projekt am besten „verkaufen“ können. Den Wettbewerb an sich haben wir als eine sehr schöne Veranstaltung erlebt. Die Tage vor Ort in Berlin waren gut organisiert und das gesamte Team von „Jugend gründet“ war freundlich, aufgeschlossen und hilfsbereit. Wir hatten nicht nur viel Spaß, sondern konnten auch wertvolle Erfahrungen für unsere Zukunft mitnehmen.
Welche Herausforderungen gab es bei der Entwicklung eures Produkts und welche Lösungsideen habt ihr dafür gefunden?
Julia: Die Entwicklung unseres Produktes war ein Prozess über mehrere Jahre. Auch jetzt noch entwickeln wir unseren Kaugummi und vor allem unsere Produktionsweise stetig weiter. Auf diesem Weg gab es einige Herausforderungen und natürlich hat nicht jeder Versuch beim ersten Mal perfekt geklappt. Wir haben uns davon aber nicht unterkriegen lassen, sondern immer weitergemacht. Aus den anfänglichen Schwierigkeiten haben wir gelernt und diese als Chance genutzt, um unser Produkt immer besser zu machen. Auch jetzt konnten wir noch nicht alle Prozesse der Produktion vollständig optimieren. Das sehen wir jedoch als Ansporn. Wir arbeiten weiterhin daran, unsere Abläufe zu verbessern und noch effizienter zu gestalten.
Wie hat euer Umfeld (Mitschüler*innen, Lehrkräfte, Familien usw.) auf eure Teilnahme am Wettbewerb reagiert?
Johanna: Wir wurden bei allem von Freunden, der Familie und auch unseren Lehrern unterstützt. Besonders gefördert haben uns aber vor allem unsere Lehrerin, die die „Jugend forscht“-AG geleitet hat, sowie unsere ehemalige Klassenlehrerin. Unsere „Jugend forscht“-Lehrerin hat mit uns im Physikraum begonnen, den Kaugummi zu produzieren. Angefangen hat alles auf kleinen Herdplatten und mit einer Steckdose im Physikraum. Heute steht uns unsere Schulküche zur Verfügung. Unsere Klassenlehrerin begleitete uns schließlich mit nach Berlin und ist eine wichtige Ansprechpartnerin für uns.
Welche besonderen Momente habt ihr während des gesamten Prozesses erlebt?
Johanna: Es gab viele besondere Momente, die uns noch lange in Erinnerung bleiben werden. Besonders die Anspannung vor dem Auftritt auf dem Wettbewerb sowie die Preisverleihungen waren immer wahnsinnig spannend. Am schönsten ist es jedoch, die kontinuierlichen Fortschritte unseres Produktes sehen zu können. Zu erleben, wie aus einer Idee Schritt für Schritt ein Projekt entstanden ist, welches sowohl Forschung als auch Gründung beinhaltet.
Was habt ihr durch euer Gründungsprojekt über Unternehmertum, Teamarbeit und eure eigenen Stärken gelernt?
Johanna: Wir beide sind unfassbar an dieser Aufgabe gewachsen und haben uns immer weiterentwickelt. Vor allem über das Themenfeld Unternehmertum konnten wir uns Wissen aneignen, das wir ohne unseren Kaugummi wahrscheinlich nie gelernt hätten. Wir haben gemerkt, wie wichtig Teamarbeit ist und wie wir unsere jeweiligen Stärken nutzen können, um gemeinsam voranzukommen.
Welche Tipps würdet ihr anderen Schüler:innen geben, die selbst eine Geschäftsidee haben und überlegen, an einem Wettbewerb teilzunehmen?
Johanna: Wir würden ihnen sagen, dass man eigentlich nichts verlieren kann. Man vergibt höchstens eine Chance, wenn man es gar nicht erst probiert. Der schwierigste Schritt ist oft, überhaupt den Anfang zu finden und eine Idee zu entwickeln. Wenn man dann aber motiviert dranbleibt, ergibt sich der Weg fast von alleine.
Selbst wenn man am Ende nicht direkt erfolgreich ist, lernt man extrem viel dazu. Für das Projekt und vor allem fürs Leben. Wir beide sind über die Jahre unglaublich an dieser Aufgabe gewachsen und bereuen nichts.
Wie geht es für euch weiter? Wollt ihr das Thema Kaugummi oder Gründung im Allgemeinen weiterverfolgen?
Julia: Wir arbeiten weiterhin an der Entwicklung unseres Kaugummis und versuchen, ihn noch weiter zu optimieren. Da wir aktuell noch nicht in der Lage sind, direkt ein Unternehmen zu gründen, nutzen wir die Zeit zur Überbrückung.
Danke für das Gespräch!
Das Interview haben wir im Februar 2026 per Mail durchgeführt.
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